I was blind but now I see

26.11.2016

Lange habe ich mich von den Sozialen Medien fern gehalten. Vor allem weil ich sie nicht wirklich verstanden habe. Für mich waren die Sozialen Medien etwas um sich mit Bekannten zu verknüpfen und uninteressante Dinge aus ihrem Leben zu erfahren. Die Vorstellung Statusnachrichten zu Urlauben, Restaurantbesuchen und Strandphotos von Bekannten und Unbekannten zu erhalten kam mir einer Belästigung gleich. Und noch schlimmer war die Vorstellung diese Zurschaustellungen auch noch kommentieren zu müssen. 

Als wäre ich blind durch das Leben gelaufen, wird mir klar, dass Soziale Medien Qualitäten haben jenseits von Zurschaustellung von Intimitäten. 

Die Sozialen Medien erbringen mittlerweile einen wesentlichen Teil journalistischer Leistungen. Vor allem offenbaren sie was Leitmedien und Politik am liebsten unterschlagen möchten. Plötzlich kann ich mich mit Arik aus Jerusalem oder Lina aus Damaskus verbinden und erhalte eine Vorstellung von deren Realitäten, die klassischer Journalismus, insbesondere Kampagnenjournalismus, nicht bereitstellen kann oder will. Oft genug helfen mir die Sozialen Medien die Sicht der Nichtdeutschen Presse zu erfahren, die meist mehr faktenbasiert und weniger volkspädagogisch ist als der Blickwinkel der Deutschen Presse. Wie oft habe ich mich nach dem Lesen eines Artikels aus den Leitmedien gottverlassen gefühlt, denn irgendwas hat gefehlt oder war nicht stimmig. Ein paar Minuten Recherche in den Sozialen Medien und mir wird meist schnell klar, dass ich dieses Unwohlsein nicht ohne Grund hatte. Das unbefriedigende Gefühl wohlmöglich ein Geisterfahrer zu sein loszuwerden und die Erkenntnis, dass viele Andere zu einem ähnlichen Urteil kommen, hat mir schon das ein oder andere mal den Tag gerettet. Zu sehen wie emotionalisierte Horden in einen Shitstorm reinreiten, der sich als Hoax auflöst, hat mir geholfen meinen kritischen Blick zu bewahren und zu entwickeln und diejenigen zu würdigen deren Analysen auch nach dem Ende der Aufregung noch Bestand haben. Diesen Trüffelschweinen fühle ich mich verbunden und sie regen mich an auf Qualität zu achten und selber ein gutes Trüffelschwein zu sein. Oft helfen mir die Sozialen Medien die Argumente zu finden, die das Bild abrunden und vervollständigen. Die Diskussionen helfen mir die Qualität von Argumenten und Gegenargumenten besser einzuschätzen. 

Interessanterweise haben mir die Sozialen Medien geholfen mich aus der Blase der Lumpenpresse zu befreien. Der im politischen Establishment immer wieder gebrachte Vorwurf die Opposition befinde sich in einer Blase kommt mir deswegen besonders absurd vor. Vermutlich kann man sich, wenn man sich in der komfortablen und in sich stimmigen Blase der Leitmedien befindet, gar nicht vorstellen, dass es auch anders geht. 

Meine neu erworbenen Erkenntnisse über die Sozialen Medien haben mir ein Verständnis in Bezug auf den Wahlerfolg Donald Trumps vermittelt. Und vor allem habe ich verstanden warum „Liberals“ wie auch die Deutsche Öffentlichkeit so überrascht waren, dass Trump die Wahl gewinnen konnte. In ihren Filter-Blasen sitzend, es sind nicht einmal selbst gesetzte Filter, sondern die Standardeinstellungen, bekommen diese Menschen nicht mit, dass es da noch eine andere Welt gibt außerhalb der selbstgefälligen von urbanen sozialen Mythen geprägten Welt des „aufgeklärten“ Konsumenten. 

Dieses Vakuum außerhalb der „liberalen“ Filterblasen hat das Social Media Team von Donald Trump verstanden und genutzt. Im Gefühl, dass da etwas passiert ist, was sie nicht verstehen, macht das linke Establishment was es immer tut, wenn etwas ihren intellektuellen Horizont übersteigt: jetzt sind es die Fake-News, Trolle und Bots, die die Wahl entschieden haben sollen, als wären die meisten News von CNN und MSNBC keine Fake-News und die hirnlosen „Liker“ und „Shitstormer“ nicht auch sowas wie Trolle oder Bots. 

Während sich die feminisierten Hipster-Schlappschwänze in den Redaktionsstuben von ihren Chefredakteurinnen vorschreiben lassen, was sie zu fühlen und zu schreiben haben, sitzen nun die Ultraschlauen um Trump herum und setzen die Agenda. 

Veröffentlicht von

herojsobieski

Ich bin kein weißer alter Mann! Mein Name ist Ivana Ranisha Rihanna, aber meine Freunde nennen mich Precious, und ich stamme von Kroaten und Afro-Amerikanern ab. Aufgewachsen bin ich im Sauerland. Seit einem Jahr lebe ich in Dallas, Texas, zusammen mit meinen sechs geliebten Kindern, die leider sieben verschiedene Väter haben. Aktuell bin ich wieder auf der Suche nach einem neuen Mann, bevorzugt aus der polnischen Community. Vor ein paar Monaten hatte ich einen Traum in dem ich Johann Sobieski war und vor Wien die türkische Invasion stoppte. Noch zehn Tage nach diesem Traum war ich überzeugt, dass ich Johann Sobieski bin. In dieser Zeit hatte ich begonnen zu schreiben. Seitdem kommt es immer wieder vor, dass ich plötzlich denke, dass ich Johann bin. Meist hilft nur ein Blick in den Spiegel um zu begreifen, dass mein schwarzes Gesicht mit der kroatischen Nase nicht zu Johann passt.

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